Seebecken Seilbahnfrei!

Kein Prestigeprojekt auf Kosten von Landschaft und Bevölkerung
 

In Kürze

Weitere Ausführungen zu den folgenden Argumenten finden Sie weiter unten:

  • Einmaliges, wichtiges Erholungsgebiet und Naturraum in der Stadt wird beeinträchtigt (Blatterwiese, Landiwiese und Strandbad Mythenquai)
  • Zusätzliche Verkehrsbelastung ohnehin schon stark belasteter Quartiere
  • Landschaftsbild wird gestört
  • Sonderbehandlung für ZKB (es gelten andere Massstäbe als für sonstige Eingriffe im Uferbereich)
  • Widerspricht Leitbild Seebecken
  • Akzeptanz durch betroffene Bevölkerung ist zweifelhaft
  • Diese Seilbahn ist kein Verkehrsmittel, sondern eine Touristenattraktion
  • Der versprochene Abbau nach 5 Jahren ist ungewiss
  • Photographieverbot wird umgangen, Privatsphäre der Badegäste ist gefährdet
  • Bäume im Uferbereich sind gefährdet
  • Betriebszwischenfälle könnten Schiffahrt beeinträchtigen


Wichtiger öffentlicher Erholungsraum wird beeinträchtigt

Blatterwiese, Landiwiese und Strandbad Mythenquai sind wichtige Erholungsräume für die Bevölkerung der ganzen Region Zürich und bisher grüne Oasen der Ruhe inmitten der Stadt.
Dieser Erholungsraum wird durch die geplanten Bauten empfindlich verkleinert, die Aufenthaltsqualität wird durch die 88 Meter hohen Masten und die Stationsbauten vermindert und die Seilbahn wird zusätzliche Besucherströme an diese Orte leiten, welche gerade an Wochenenden bereits jetzt gelegentlich an ihre Belastungsgrenzen stossen. Zusätzlich werden Besucherinnen und Besucher durch den beim Seilbahnbetrieb unvermeidlichen Lärm gestört.


Das Projekt führt zu zusätzlicher Verkehrsbelastung in ohnehin schon stark belasteten Quartieren

Entgegen allen gegenteiligen Beteuerungen scheint es plausibel, dass zumindest ein Teil der Benutzerinnen und Benutzer dieser Freizeitattraktion mit dem Auto anreisen werden. Die ZKB rechnet an Wochenenden mit maximal 4300 Gästen pro Tag, die maximale Kapazität liegt allerdings bei 2000 Gästen pro Stunde. Wenn nur schon ein Drittel dieser Personen mit dem Auto anreist, bedeutet dies eine hohe zusätzliche Belastung der betroffenen Quartiere, wo die Parkplatzsituation zu Stosszeiten heute schon prekär ist.


Das Landschaftsbild wird gestört

Erholungssuchende auf der Blatterwiese und im Strandbad Mythenquai würden künftig beim Blick auf den See und in die Alpen zwei bis zu 88 Meter hohen Seilbahnmasten vor der Nase haben.
Aber auch die Postkarten-Aussicht von Bürkliplatz und Quaibrücke zum Alpenkamm würde durch eine unschöne Seilbahn-Girlande vor Bergkette beeinträchtigt.

Die Seilbahn der G59 wurde genau aus dem Grund wieder zurück gebaut, um eine ungestörte Sicht auf das Alpenpanorama wieder herzustellen und die Leute damals haben dies basierend auf siebenjähriger Erfahrung in der realen Welt entschieden, nicht aufgrund von Computer-Animationen, bei welchen man Beleuchtungsverhältnisse, Betrachterperspektive, Himmelsbedeckung und Aufnahmewinkel möglichst "günstig" wählen kann.


Sonderbehandlung für ZKB

Im Allgemeinen wird das Seeufer von Stadt und Kanton (zu Recht) als äusserst sensibles Ökosystem und prägender Bestandteil des Landschaftsbildes geschützt.
So wurde bei der Neugestaltung des Strandbads Mythenquai der Restaurationsbetrieb landeinwärts versetzt, mit der Begründung "freien Blick auf den See zu gewähren". Auf einen Vorschlag von Badegästen beim Tor zwischen Landiwiese und Strandbad eine kleine Strandbar mit direktem Seeanstoss einzurichten antwortete die kantonale Baudirektion, ein solches "Vorhaben tangiere unterschiedliche öffentliche Interessen", "sei auf Ausnahmebewilligungen angewiesen" und "die Prüfung des Vorschlags wäre sehr aufwendig". Von Verantwortlichen der Stadt wurde die Aussage gemacht "wenn nur ein Pfosten ins Wasser käme würde dies niemals bewilligt".
In krassem Gegensatz hierzu scheint es jetzt auf einmal kein Problem zu sein, wenn die ZKB für ihr gigantisches Prestigeprojekt zwei riesige Stationsgebäude am Seeufer errichtet, zwei bis zu 88 Meter hohe Masten im See aufstellt und dafür 120 je 8 Meter lange Betonschrauben in den Seegrund bohrt, welche auch nach einem Rückbau der Anlage im See verbleiben sollen.
Wer schon einmal seine Kinder im Strandbad Mythenquai oder auch das Alpenpanorama während des Badebetriebes photographieren wollte und dabei erfahren musste, wie konsequent das Film- und Photographieverbot vom Badepersonal durchgesetzt wird, dürfte sich auch wundern, dass es auf einmal kein Problem darstellt, wenn die Badegäste nun den Teleobjektiven von Touristen ausgeliefert sein sollen, welche in vollverglasten Kabinen über die Badeanstalt schweben.

Dies zusammen mit dem horrenden Tempo in welchem das Projekt durch das politische und baurechtliche Verfahren getrieben wird, macht es schwer sich des Eindrucks zu erwehren, dass es hier vor Allem darum geht einen  - unbestrittenermassen grosszügigen - Sponsor kultureller Veranstaltungen und städtischer Einrichtungen bei Laune zu halten.


Widerspricht Leitbild "Seebecken der Stadt Zürich"

Die Seilbahn widerspricht in manchen Punkten dem Leitbild "Seebecken der Stadt Zürich", das Stadt und Kanton 2009 gemeinsam erstellt und 2018 revidiert haben. Das Seilbahnprojekt widerspricht in Sinn und Geist z.Bsp. folgenden Punkten des Leitbildes:

  • Das Seebecken ist ein hochwertiger Frei- und Naherholungsraum in der sich stetig verdichtenden Stadt.
  • Das Seebecken leistet einen zentralen Beitrag zur Lebensqualität Zürichs.
  • Das Seebecken ist allseits öffentlich zugänglich.
  • Das Seebecken ist kulturelles Erbe von herausragender Bedeutung.


Die Bevölkerung wurde nie nach ihrer Meinung gefragt 

Die vom Projekt betroffene Stadtbevölkerung wurde nie nach ihrer Meinung gefragt. Zwar erwähnt die ZKB eine Befragung, bei welcher sich 90% für die Seilbahn ausgesprochen hätten, allerdings sagt die ZKB auf Nachfrage, es seien "1200 Personen mit Wohnort Deutschschweiz" befragt worden, gibt aber keine Details zur genauen Fragestellung bekannt.

Eine Petition gegen die Seilbahn die im Sommer 2018 in der Stadt Zürich gegen die Seilbahn eingereicht wurde konnte innerhalb vier Wochen mehr als 2200 Unterschriften gewinnen, der Quartierverein Riesbach ist Mitglied bei unserem Dachverband und der Quartierverein Enge hat die Petition gegen die Seilbahn unterstützt - dies lässt zumindest grosse Zweifel an der Akzeptanz durch Anwohnerinnen und Anwohner aufkommen


Diese Seilbahn ist kein sinnvolles Verkehrsmittel sondern eine Freizeitattraktion

Diese Seilbahn ist kein Bestandteil des Öffentlichen Verkehrs!
Dafür ist allein schon der Ticketpreis von 14 Franken für eine Fahrt zu hoch angesetzt (man vergleiche, welche Wirkung bereits der Schiffszuschlag von 5 Franken auf die Benutzung der Schiffe hatte). Auch die Anbindung der Seilbahnverbindung ans bestehenden ÖV-Netz ist ziemlich dürftig.
Es handelt sich hier um eine Vergnügungsbahn, die vermutlich nach einer ersten Euphorie (viele werden es einmal ausprobieren wollen) vorwiegend von Touristen genutzt werden wird - auf Kosten der einheimischen Bevölkerung, die während mindestens fünf Jahren auf einen Teil der Mythenbadi und den Blick in die Alpen von General Guisan Quai / Bürkliplatz verzichten muss und während weiterer 1-2 Jahren unter den Emissionen von Auf- und Abbau zu leiden haben wird.

Folgerichtig schreibt auch der Stadtrat in seiner Antwort auf die schriftliche Anfrage 2018/264: "Die ZüriBahn als Projekt der ZKB ist als temporäres Freizeitangebot konzipiert. Wenn sie zusätzlich die Diskussion zur städtischen Mobilität der Zukunft anregen kann, ist das positiv zu werten."

 

Ein Abbau nach fünf Jahren ist ungewiss

Die Seilbahn hat 5 Jahre Betriebsbewilligung und muss dann abgebaut werden. Bis anhin wurde aber keine bindende Zusicherung gegeben, dass dies auch tatsächlich geschieht und es ist ein ähnliches Seilziehen wie in den 60er Jahren bei der zweiten Seilbahn auch für 2025 bei der dritten zu erwarten. Man wird nicht verstehen, weshalb eine teure, funktionstüchtige Seilbahn abgebrochen werden muss. Der Weg zum Dauerprovisorium ist vorgespurt.

Auch steht zu befürchten, dass die Kosten von genannten 40 - 60 Millionen Franken in den 5 Jahren nicht wie geplant „eingespielt" werden können und dann eine Betriebsverlängerung als „Lösung“ vorgeschlagen würde.

 

Privatsphäre der Badegäste / Umgehung des Photographieverbotes

Im Strandbad Mythenquai herrscht aus nachvollziehbaren Gründen ein striktes Photographie- und Filmverbot, welches vom Badepersonal konsequent durchgesetzt wird.

In eklatantem Gegensatz dazu würden durch die geplante Seilbahn die Badegäste den Teleobjektiven von Touristen ausgeliefert sein, welche in vollverglasten Kabinen über die Badeanstalt schweben.

 

Die geplanten Bauten gefährden Bäume

Laut Antwort des Stadtrates auf eine gemeinderätliche schriftliche Anfrage müssen in der Badi Mythenquai acht Sandbirken aufgrund des Seilbahnprojekts gefällt werden. Die inventarisierten Bäume seien jedoch nicht betroffen.

Angesichts der schwierigen Bauausführungen in unmittelbarer Nähe von schützenswerten Bäumen an beiden Seeufern ist es schwer vorstellbar, dass diese nicht Schaden nehmen, und dann "aus Sicherheitsgründen leider gefällt werden müssen".


Betriebszwischenfälle könnten Schiffahrt beeinträchtigen

Es stellt sich die Frage, welche Auswirkungen allfällige Betriebsunterbrüche welche die Evakuierung der Passagiere notwendig machen, auf den Schiffsverkehr im Seebecken haben würden.